Aromakongress 2008

Aromakongress: 26. und 27.9.2008, Jugendstiltheater, Baumgartner Höhe, Wien

Durch den Wiener Aromakongress 2008 geblättert

TEIL I

Zahlreiche ExpertInnen aus der Welt der ätherischen Öle öffneten am Wiener Aromakongress ihre „Schatzkästchen“ und begeisterten das fachkundige Publikum im nahezu vollbesetzten Jugendstiltheater auf der Baumgartner Höhe.

Dipl. psych. Gesundheits- und Krankenschwester und Aromaexpertin Claudia Arbeithuber, aromaFORUM Oberösterreich, verwendet ätherische Öle als „Balsam für die Seele“. In der Psychiatrie und Geriatrie empfiehlt sie ätherische Öle in der Behandlung von Depressionen, Manie, Demenzerkrankungen, Suchterkrankungen, Schizophrenie und Persönlichkeitsstörungen. Zahlreiche Hauptsymptome, wie zum Beispiel Angst, Trauer, Gedächtnisstörungen, Schlafprobleme, Aggression, Erschöpfung, verminderter Selbstwert oder unangemessene Euphorie, können durch ätherische Öle günstig beeinflusst werden. Als Standardöle für die Implementierungsphase im psychiatrischen Pflegealltag eignen sich unter anderem Zitrone, Bergamotte, Lavendel, Melisse, Sandelholz und Zeder. Bei Stimmungsabfall verwendet Claudia Arbeithuber tagsüber Bergamotte, Grapefruit und Mandarine, abends Lavendel, Melisse, Myrrhe, Myrte und Rosenholz. Bei Schlafproblemen helfen Lavendel, Melisse und Zeder.

 Ätherische Öle und Balsame für die psychiatrische Pflege

  • Depression: Bergamotte, Benzoe, Lavendel, Mandarine, Melisse, Sandelholz, Tonka, Zitrone
  • Manie: Lavendel, Mandarine, Myrrhe, Orange
  • Demenzerkrankungen: Sandelholz, Zeder, Bergamottminze, Lavendel
  • Suchterkrankungen: Benzoe, Grapefruit, Orange, Mandarine, Zitrone
  • Schizophrenie: Sandelholz, Zeder
  • Persönlichkeitsstörungen (Borderline): Bergamotte, Lavendel, Myrte, Sandelholz, Zeder

Dr. med. vet. Isabella Hahn, Institut für Angewandte Botanik und Pharmakognosie, Veterinärmedizinische Universität Wien, besitzt vielfältige Erfahrungen in der Anwendung von ätherischen Ölen bei Tieren. Auch in der Tiermedizin entfalten ätherische Öle ihre antimikrobiellen, krampflösenden, schleimlösenden, entzündungshemmenden, schmerzstillenden und viele andere gesundheitsförderliche Wirkungen. Unter der Berücksichtigung von tierartlichen Unterschieden – Katzen besitzen eine eingeschränkte Glucuronidierungsfähigkeit, deshalb ätherische Öle nur mit großer Vorsicht verwenden – gibt es zahlreiche Anwendungsbeispiele für den günstigen Einsatz von ätherischen Ölen. Bei Katzen aufgrund der erhöhten Empfindlichkeit kein Teebaumöl verwenden. Baldrianöl wirkt bei Katzen zunächst anregend und stimulierend, erst bei ausreichend hoher Dosierung beruhigend.

Anwendungsbeispiele in der Veterinärmedizin

  • Atmungstrakt: Thymianöl, Salbeiöl, Anis-/Fenchelöl, …
  • Verdauungstrakt: Colosan®, Anis-/Fenchel-/Kümmelöl, Pfefferminzöl, Kamillenöl, Zimtöl, Dille, …
  • Haut: Teebaumöl, Zitronenöl, Eurivet®, Euterbalsam®, …
  • Verhalten: Baldrianöl, Melissenöl, Eukalyptusöl, …
  • Bewegungsapparat: Kampfer, Eukalyptusöl, Fichtennadelöl, Pfefferminzöl, Minzöl, Rosmarinöl, …
  • Urogenitaltrakt: Eucacomp®, Petersilie, Wacholder, …
  • Insektenabwehr / Repellent: Teebaumöl, Nelkenöl, Zedernöl, Neemöl, Eukalyptusöl, Lavendelöl, Zitronellaöl, Minzöl, Lemongrasöl, Geraniumöl, …

Zwei Vorstandsmitglieder der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA) und erfahrene Aromaexpertinnen, Bärbl Buchmayr und Evelyn Deutsch, berichteten über die Anwendung von ätherischen Ölen in der Gesundheits- und Krankenpflege in Österreich. Aromapflege ist eine seit 2004 anerkannte komplementäre Pflegemethode, die nach individuellen Pflegeproblemen und Pflegebedürfnissen zur Anwendung kommt. Sie verwendet 100% reine ätherische Öle, fette Pflanzenöle und Hydrolate sowie daraus hergestellte Pflegeprodukte. Beliebte und erfolgreiche Anwendungen der Aromapflege sind Raumbeduftung, Waschungen, Bäder, Hautpflege, Einreibungen, Streichungen, Wickel und Kompressen.

Ausblicke in die Zukunft der Aromapflege

  • seit 2004 als komplementäre Pflegemethode anerkannt
  • Integration in den Pflegealltag wünschenswert
  • fachlich versierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen
  • Implementierung gut durchdacht und auf die jeweiligen Fachbereiche abgestimmt in Form eines Projektes (Tipps im Aromapflege Handbuch)
  • Pflegewissenschaft ist unverzichtbar!

Prof. Dr. Leopold Jirovetz und Dr. Stefanie Bail, Abteilung für klinische Pharmazie und Diagnostik, Universität Wien, berichteten über Identitätsprüfung und Qualitätskontrolle von ätherischen Ölen in der universitären Forschung. Ein wesentliches Qualitätskriterium stellt die biologische Wirkung dar. Als Testassays bieten sich Agar-Diffusionstest und Agar-Verdünnungstest an.

Antimikrobielle Wirkungen von Einzelduftstoffen

Komponente

Mittelstarke- bis starke Wirkung

Keine Wirkung gegenüber

Referenz: Eugenol

Alle getesteten Mikroorganismen

Geranial

Gram-(+), Gram-(-)

Geraniol

Gram-(+), Gram-(-)

Geranyl acetone

Gram-(+)

Gram-(-)

Geranyl acid

Gram-(+), Gram-(-)

Geranyl formate

Gram-(+), Gram-(-)

Geranyl acetate

Gram-(+)

Gram-(-)

Geranyl benzoate

Gram-(+), Gram-(-)

Geranyl butyrate

Gram-(+)

Gram-(-)

Geranyl isobutyrate

Gram-(+)

Geranyl phenylacetate

Gram-(+), Gram-(-)

Geranyl tiglate

Gram-(+), Gram-(-)

Geranyl propionate

Gram-(+)

Geranyl valerate

Gram-(+), Gram-(-)

Geranyl geraniol

Gram-(+),  Gram-(-)

Geranyl linalool

Gram-(+), Gram-(-)

Geranyl amine

Gram-(+), Gram-(-)

Geranyl bromide

Gram-(+)

Gram-(-)

Geranyl chloride

Gram-(-)

Nerol

Gram-(+), Gram-(-)

Neryl butyrate

Gram-(+)

Gram-(-)

Neryl isobutyrate

Gram-(+)

Gram-(-)

Neryl isovalerate

Eine Untersuchung von E. Schmidt et al. (NPC 2008) zeigt bezüglich der antioxidativen Wirkung von ätherischen Ölen und Einzelduftstoffen, dass mit dem Testprinzip „Donoreaktivität“ für das ätherische Origanum majorana-Öl eine stärkere radikalabbauende Wirkung festgestellt werden kann als für Thymol. Im Linolensäure-Modellsystem hemmt Origanum majorana die Bildung von konjugierten Dienen und das Auftreten von sekundären Abbauprodukten der Lipidperoxidation.

Die Anzahl der in der Parfümerie, Pharmazie und Aromatherapie eingesetzten ätherischen Öle liegt bei etwa 200. Meist aus ökonomischen Gründen kommen immer wieder Verfälschungen auf den Markt. Über die Identitätsprüfung und Qualitätskontrolle von ätherischen Ölen in der Industrie berichtete Betriebswirt Erich Schmidt, Parfumeur und Duftstoffexperte, Nördlingen, BRD, dass in den letzten Jahrzehnten zahlreiche moderne Untersuchungsmethoden entwickelt wurden. Zu den wichtigsten Analysemethoden zählen Gaschromatografie, Massenspektrometrie, Enantiomerentrennung, Nuclear-Magnetic-Resonance-Spectroscopy (NMR) und Isotope-Ratio-Mass-Spectroscopy (IRMS).

Bei der eindimensionalen Enantiomerentrennung gestaltet sich die Quantifizierung durch das Zusammenfallen verschiedener Substanzen mit ähnlicher Retentionszeit schwierig. Bei der multidimensionalen Enantiomerentrennung wird hingegen nur die gewünschte Substanz per Zeitfenster ausgeschnitten (life coupling) und an die chirale Säule weitergeleitet.

Die moderne Analytik gibt uns eine Flut von Daten, die ausgewertet und auf ihre Plausibilität geprüft werden müssen. Die Bewertung und Beurteilung geben uns die Sicherheit, ein ätherisches Öl als verfälscht oder natürlich einzustufen. Die Basisdaten zur Konformitätsprüfung stammen von ISO-Standards und Monographien verschiedener Pharmakopöen. Auch eigene Standards und Datenbanken werden zur Bewertung herangezogen.

Wissenschaftliche Daten und Datenbanken

  • Journal of Essential Oil Research
  • Journal of Essential Oil Bearing Plants
  • Flavour & Fragrance Journal
  • Natural Product Communications
  • Perfumer & Flavorist
  • Journal of Agricultural and Food Chemistry
  • Boelens Aroma Chemical Information Service (BACIS): ESO 2006
  • ISO Standards
  • Monographien verschiedener Pharmakopöen

Kontakt:

Österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA)

E-Mail: wolfgang.steflitsch@chello.at

Dr. Wolfgang Steflitsch

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