Dosierung in der Pflege – alles klar?

Immer wieder gibt es widersprüchliche Angaben bei der Dosierung ätherischer Öle in der Pflege. Die Erfahrung zeigt, das sich selbst mit geringen Dosierungen gute Erfolge erzielen lassen. Aber was ist
gering?? Vor allem für Anfänger stellt diese Aussage eine Herausforderung dar, wenn es um die  konkrete Anwendung der ätherischen Öl in der Pflege geht.

Im klinischen Alltag wird der Nachweis bezüglich der Dosis-Wirkungsbeziehung ein immer größeres Thema. Mit der Frage: Ab welcher Dosierung bzw. Konzentration wird welche Wirkung erzielt, haben
wir unsere Recherche begonnen. Werner und Braunschweig geben in ihrem Buch eine Empfehlung zur Dosierung und der Wirkungsweise ätherischer Öle ab, die eine Hilfestellung bezüglich der
Anwendung ist: 

  • Niedrige Konzentration: (besonders bei systemischer Anwendung) Einlagerung in bestimmte Areale der Zellmembran, Beeinflussung der dort lokalisierten Enzyme, Carrier, Jonenkanäle oder Rezeptoren, führt zu sehr spezifischen Effekten 
  • Mittlere Konzentration: membranstabilisierende Effekte, ähnlich wie bei den Lokalanästhetitka
  • Hohe Konzentration: (besonders bei lokaler Anwendung) unspezifische Wirkung charakterisiert durch Reizwirkung (vgl. Werner, Braunschweig 2006, S. 8)

Diese Empfehlung stützen sie, wie viele andere Autoren auch, auf das Ergebnis einer Untersuchung von Teuscher et. al aus dem Jahr 1990. In diesem Artikel stellen Teuscher et. al das Ergebnis einer
Untersuchung vor, in der sie unter anderem der Frage nachgingen, wie ätherische Öle auf zellulärer Ebene wirken. Sie überprüften die Hypothese: ätherische Öle üben ihre Effekte in erster Linie durch
eine Wechselwirkung der lipophilen Komponenten von Zellmembranen und Endomembransystem bzw. mit den apolaren Bereichen von Proteinen aus (vgl. 1990, S. 87), mit dem Ergebnis, das die
Membransysteme, wie ursprünglich angenommen, der primäre Angriffspunkt der ätherischen Öle auf die menschlichen Zellen sind (vgl. Teuscher et. al. 1990, S. 91).

Zum besseren Verständnis ist es nicht unwesentlich den Blick auf die Methodik der Untersuchung zu lenken. Um die oben beschriebene Hypothese zu bestätigen untersuchen sie die Wirkung der ätherischen Öle auf isolierten, spontan pulsierenden Herzellen, gewonnen von 11 bis 13 Tagen alten Hühnerembryonen, wobei jeweils eine Herzzelle in einer Nährlösung getestet wird. Im Zentrum ihres
Interesses steht auch die Konzentration, ab der die Herzellen ihre Pulsation einstellen. Dabei entdecken sie, dass es eine reversible Dosierung – eine Hemmkonzentration – gibt, ab der die Herzzellen nach einer Reinigung wieder zu pulsieren beginnen und eine Grenze, bei der dies nicht der Fall ist. Bei einer Verdoppelung bis Verzehnfachung der für eine Unterdrückung der Pulsation
notwendigen Konzentration werden die Zellen irreversibel geschädigt (vgl. Teuscher et. al 1990, S. 88).

Die für verschiedene Öle unterschiedliche Hemmkonzentration liegt beim Pfefferminzöl bei 40 nl/ml (Nanoliter pro Milliliter), das entspricht 0,04 ml Pfefferminzöl auf 1 Liter Wasser oder anders ausgedrückt, kommt 1gtt Pfefferminzöl auf 1 Liter Wasser. Bei Nelkenöl hingegen benötigt man zur Hemmung 20 nl/ml.

Bedeutung für die Anwendung ätherischer Öle in der Pflege

Für die Anwendung am Menschen würde dies bedeuten das z.B. eine Konzentration von 300mg Menthol (also nur ein Inhaltsstoff) verteilt auf 10kg Gewebeflüssigkeit des Menschen zum Herzstillstand führen würde. Zum Vergleich: ein gtt ätherisches Pfefferminzöl wiegt 19mg und enthält 40-45% Menthol. (vgl. Steflitsch/Steflitsch S.545, Werner/ Braunschweig, S. 169) Teuscher at. al weisen in ihrer Diskussion auf den wichtigen Aspekt hin, dass die Art der Applikation,
die Geschwindigkeit sowie das Ausmaß der Resorption, Verteilung im Organismus und Geschwindigkeit der Biotransformation die Wirkstärke und das Wirkspektrum ätherischer Öle mitbestimmt (vgl. 1990, S. 91). Dieser Hinweis hebt die Einmaligkeit eines jeden Menschen hervor, der die exakte Vergleichbarkeit aber auch die Reproduzierbarkeit erheblich einschränkt, und deckt sich mit den gemachten Erfahrungen in der Praxis, dass nicht jedes Öl bei jedem Menschen gleich wirkt, nicht jedes Öl dem anderen gleichzusetzen ist. Die Wahrnehmung des ganzen ist notwendig, um die richtige Auswahl in der richtigen Dosierung zu finden, was einer ganzheitlichen Herangehensweise entspricht.

Da nach wie vor unklar ist, wie die Aufnahme und die Speicherung ätherischer Öle im Körper mit der aufgetragenen Konzentration zusammenhängt, kann es lediglich einen Hinweis geben, niedrige
Dosierungen zu verwenden.
Welche Konzentration einer niedrigen, mittleren oder hohen Konzentration genau entspricht, kann nicht eindeutig beantwortet werden. In diversen Fachbüchern wird eine niedrige Konzentration zur
Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens bei perkutaner Anwendung zumeist mit Zubereitungen bis max. 3% beschrieben. Faktoren wie Alter, Allgemeinzustand, Größe der Anwendungsfläche und
Anwendungsdauer können zu eine Verringerung der Dosis fordern. Für therapeutische Zwecke werden ätherische Öle unter Umständen auch in höherer Konzentration verwendet. Dies mag unbefriedigend sein, stützt sich aber auf die vielen und über einen langen Zeitraum hinweg gemachten Erfahrungswerten der AnwenderInnen. (vgl. Zimmermann, S. 88, S. 90)
Die ursprüngliche Frage: wie viel ist gering, wird auch durch die Untersuchung von Teuscher et. al nicht eindeutig für die Anwendung in der Pflege geklärt und muss offen bleiben. Wünschenswert wären weitere Untersuchungen, die pflegerelevante Themen, wie die Aufnahmefähigkeit, die Speicherkapazität des Fettgewebes und ähnliches behandeln.

Autoren

Lisa Marenitz, Pflegeexpertin in Phyto- und Aromapflege, DGKS
Frieda Haller, DGKS
Margit Partoll, akad. Pflegeberaterin, DGKS
Irene Höss, DGKS

Quellennachweis

Teuscher E. et. al (1990), Untersuchungen zum Wirkmechanismus ätherischer Öle, Zeitschrift für
Phytotherapie, 11, 87-91
Werner Monika, Braunschweig Ruth (2006), Praxis Aromatherapie. Grundlagen – Steckbriefe –
Indikationen, Haug: Stuttgart
Steflitsch Wolfgang, Steflitsch Michaela (hrsg.), Aromatherapie. Wissenschaft- Klinik – Praxis,
Springer: WienNewYork
Zimmermann Eliane,(2006) Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, Das Kursbuch zur
Aromapraxis, 3.völlig überabeitete Auflage, Sonntag Verlag: Stuttgart

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